Beim Kommentar handelt es sich um eine journalistische Darstellungsform, durch die der Autor seine persönliche und wertende Meinung zu einem bestimmten Thema äußert.

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von Widersprüchen und Folgen und stellt auf dieser Grundlage seine persönliche Haltung dar.

 

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Viele Brandunglücke kratzen an dem Glauben, die Bundesrepublik sei jenes Land - peinlich oder bewunderungswert -

in dem alles bis zur Länge des Sargnagels in DIN-Katalogen und übergründlichen Vorschriften sicher festgelegt ist.

Ein Irrtum: Zwar regeln Normen den Durchmesser von Kloschüsseln, aber für den Brandschutz gibt es keinen bundeseinheitlichen Sicherheitskatalog.

Feuersicherheit ist Ländersache, und wir haben nun mal 16 Bundesländer und den Bund!

Auch in Rheinland-Pfalz ist alles durch das Landesgesetz über den Brandschutz, die allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz in Verbindung mit

der Feuerwehrverordnung geregelt.

Jede Gemeinde muss eigenständig Schutzziele definieren und über das Schutzniveau entscheiden. Hier gibt es aber Ausnahmen!

 

Hierzu ein Zitat vom Minister des Inneren, für Sport und Infrastruktur aus Rheinland Pfalz, Roger Lewentz, in der Sendung „Zur Sache“ vom 27.09.2012:

„Uns geht es darum, das dort neue Gebäude gebaut werden, wo dann auch die 8 Minuten weites gehend für alle Stadtteile eingehalten werden können.

Diese Baumaßnahmen sind auf den Weg gebracht, bzw. in Planung.

Das war noch eine Anordnung aus früheren Zeiten und die Verlängerung auf 10 Minuten gilt insbesondere für die größeren Einsatzfahrzeuge, wie Drehleitern.

Das ist eine Absprache mit uns, die ist verantwortbar, aber generell werden wir bei den 8 Minuten bleiben.“

 

Wird hier jetzt seit mehreren Jahren auf Kosten der Sicherheit an der Sicherheit gespart?

Bei einer Schutzzielfestlegung sind grundsätzlich die Ziele des Brandschutzwesens zu berücksichtigen. Gemäß ihrer Priorität sind dies:

 

  1. Menschen retten,
  2. Tiere, Sachwerte und Umwelt schützen und
  3. Die Ausbreitung des Schadens verhindern.

 

Die Zeitkritischste Aufgabe ist dabei die Rettung von Menschen.

Zeiten müssen sich an wissenschaftlich abgesicherten oder durch hinlängliche praktische Erfahrungen gesicherten Grenzen orientieren.

In diesem Zusammenhang ist besonders auf Untersuchungen zum Brandverlauf und zu medizinischen Grenzwerten hinzuweisen,

beispielsweise die sogenannte O.R.B.I.T. –Studie (System zur optimierten Rettung und Brandbekämpfung mit integrierter technischer Hilfeleistung)

Die Schutzziele müssen im Einklang mit allen feuerwehrrelevanten gesetzlichen Grundlagen aufgebaut sein und feuerwehrtaktischen Grundsätzen genügen.

Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Unfallverhütungsvorschriften zu richten.

Die für die Menschenrettung zur Verfügung stehende Zeit wird von der Dauer der Rauchgasexposition bestimmt. In der Mitte der siebziger Jahre veröffentlichten O.R.B.I.T.- Studie

ermittelte man für Kohlenmonoxid eine Erträglichkeitsgrenze von 13 Minuten und eine Reanimationsgrenze von 17 Minuten.

Dies besagt: Nach 13 Minuten verliert die Person das Bewusstsein und kann sich damit den Rettern nicht mehr bemerkbar machen,

nach 17 Minuten bleibt eine Reanimation erfolglos. Die Feuerwehr muss daher spätestens nach 13 Minuten nach begonnener Rauchgasintoxikation vor Ort sein und hat dann noch

4 Minuten Zeit, die Person zu finden, zu retten und zu reanimieren!

Inwieweit die Feuerwehr das Sicherheitsrisiko abdecken kann, ist insbesondere durch die Würdigung der gegensätzlichen Faktoren „Bedürfnis an Sicherheit“ und „Wirtschaftlichkeit“ bestimmt.

In Gemeinden scheint hier wohl eindeutig die „Wirtschaftlichkeit“ über das Sicherheitsrisiko zu bestimmen!

Wie ist es zu erklären, dass hier eine wissenschaftliche - medizinische Grundeinsatzzeit von 8 Minuten um 2 Minuten auf 10 Minuten in einer Gemeinde erhöht worden ist.

Ist hier die Bevölkerung rauchresistenter? Können hier Menschen die Luft 2 min. länger anhalten?

 

Wir sagen nein!

 

Hier sind die Ziele des Brandschutzwesens – oberste Priorität - Menschen Retten - nicht mehr gegeben!

Vielleicht müssen wir uns in Fragen der Sicherheit auch endgültig von der Illusion des verantwortungsvollen Politikers verabschieden!

 

Toni Raskopp

 

 

„Durch der Hände lange Kette
Um die Wette
Fliegt der Eimer, hoch im Bogen...“

 

Mit diesen Worten widmete sich Friedrich Schiller in „Das Lied von der Glocke“ 1799 der Thematik Brandbekämpfung.

1782 schon nutzte Johann Wolfgang von Goethe, hinlänglich auch als Freund Schillers bekannt, im „Erlkönig“ die Worte: „Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“.

Was hat der Ausflug in die deutsche Literaturgeschichte mit der Feuerwehr zu tun?

Der gesellschaftliche Wandel (Demographie, Werte) , der sich in den letzten 25 Jahren vollzog, schlägt gerade bei den Feuerwehren zu Buche. Diesem Umstand wurden und wird in vielen Publikationen umfassend, zumindest in verbaler Form, ausreichend Rechnung getragen. Deshalb lasse ich dies außen vor.

Plötzlich und unerwartet stellt man nun im „Hause Feuerwehr“ fest, dass man selbst bei oberflächlicher Betrachtung, aufgrund Personalmangels nicht mehr in der Lage ist, den gestellten Aufgaben fachgerecht (dadurch „sicher“) nachzukommen.

Nun reagieren die Träger der Feuerwehren:

Sie zaubern das Kaninchen „Pflichtfeuerwehr“ aus dem Zylinder [hier kommt Goethe zum Tragen ;-)].

Der Gedanke der Pflichtfeuerwehr ist nicht neu, er wurde schon im 19. Jahrhundert hie und da in Gesetzen festgeschrieben.

Hat sich ein Verantwortlicher, sei es nun der Parlamentarier, der diese Gesetze heute noch zulässt, oder ein Gemeinde- /Stadtoberhaupt, der diese Gesetzesmöglichkeit umsetzt, jemals Gedanken um Veränderungen gemacht, die sich im abwehrenden Brandschutz im Laufe der Zeit ergaben?

Im 19. Jahrhundert brauchte man den Eimerknecht [Schiller ;-)], man brauchte kaum qualifizierte Kräfte, um die handbetriebenen Pumpen in Gang zu halten.

In Ermangelung technischer Möglichkeiten beschränkte sich die Tätigkeiten der Feuerwehren auf Menschenrettung (unter glücklichsten Umständen, wenn z.B. die Bewohner eines Brandobjektes direkt aus den Fenstern „gepflückt“ werden konnten), auf Riegelstellung, gar auch das Schlagen von Schneisen, sogar mittels Abriss/Sprengung benachbarter Gebäude, Straßenzüge.

Das Bild des Feuerwehrangehörigen scheint bei vielen Politikern (Sammelbegriff) unverändert zu sein: Es kann ja nicht so schwer sein, mit einem großen Gartenschlauch ins Feuer zu spritzen.

Man lässt außer Acht, dass die grundsätzliche körperliche und mentale Eignung vorausgesetzt werden muss, dass alleine die Ausbildung des Feuerwehrangehörigen mehrere hundert Stunden beträgt, dass zig Stunden Fortbildungen abgeleistet werden müssen.

Ist man sich nicht bewusst, dass man die 112 wählt, wenn irgendeine vermeintlich unlösbare Schadenslage vorliegt?

Pathos klingt immer ein wenig „überkanditelt“. Eines der Mottos der Feuerwehren lautet: „Wir rennen rein, wo andere raus rennen“

Dies will man nun mit Zwang bewerkstelligen?

Die Frage nach Motivation außen vorlassend?

Die Politik trägt Lobesreden anlässlich einer Feuerwehrfestivität und Lippenbekenntnisse zur „Sache“ Feuerwehr bei jedem weiteren Anlass zu Markte, teilweise völlig losgelöst von Fach- und Sachkenntnis.

Daher wundert es mich nicht, dass nicht bewusst ist, wie viel Qualifikation und Herzblut notwendig ist, aktiv zu versuchen den Schutz von Hof und Gut, Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürger, aber auch der Kameradinnen und Kameraden, Kolleginnen und Kollegen sicher zu stellen.

 

Frank Leukel

 

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